
Eingetaucht in den Frühling und einen Tag lang in sommerliche Sphären, nahm ich wirklich traurig Abschied von unserer Reise zwischen den Jahren. Seele baumeln lassen, Sonne tanken, nicht nachdenken müssen und die Zweisamkeit genießen- das waren unsere vorangingen Beschäftigungen. Wir lernten Menschen kennen- zumeist Touristen und Eingewanderte- für Bekanntschaften mit Tinerfeños reichten unsere Spanischkenntnisse leider nicht aus, aber eine Urlaubsrückkehr, gewappnet mit spanischen Vokabeln, ist fest für die weitere Zukunft geplant.

Der schwarzsandige Strand mit den gewaltigen Wellen des Atlantiks wurde mein vormittägliches Heim, während mein Liebster soweit wie möglich in die Wellen sprang. In den sieben Tagen liefen wir gefühlt 60 Kilometer bergauf und 40 Kilometer bergab, einige Tage waren meine Waden schwach vom Muskelkater. Wir bewunderten Ausblicke über Land und Meer, aßen die besten Hamburger der Welt, Fisch und papas arrugadas mit mojo rojo oder mojo verde, häufiger gab es Pommes zum Essen und manchmal Pizza. Obwohl wir im weniger touristischen Norden waren, passen sich viele Restaurants nun einmal den internationalen Wünschen ihrer Gäste an. Auch der cafe con leche y leche wurde ein leckerer Anlass, sich in ein Café zu setzen, wobei wir einige Versuche unternehmen mussten, um zu wissen, wir man ihn bestellt. Cortoda leche leche soll er wohl heißen und es wundert mich gar nicht, dass ich keinen bekam, als ich sagte, wir würden gern einen cafe con dulce leche haben wollen. Espresso bekamen wir stattdessen.
Nachmittags und Abends war eine Strickjacke nötig, denn der Wind kam stark vom Ozean her, aber beim Straßen hoch- und runterklettern wurde einem warm.
Fin de año wird Silvester im Spanischen genannt und viele Frauen kleiden sich schick und oftmals sehr kurz berockt. Allerdings fiel mir auf, dass keine blöden Blicke kamen, wenn man anders gekleidet war und das galt für die gesamte Zeit. Auf dem Plaza del charco in Puerto de la Cruz wurde eine Bühne aufgebaut und eine Band sang stundenlang scheinbar bekannte spanische Songs- manche in lateinamerikanischen Klängen und manche eher Schlagermäßig. Getanzt wird auf den Straßen, die Innenstadt ist voll mit Menschen, auf den Balkonen tanzen Menschen mit, es wird getrunken aber besoffene Unruhestifter sind nicht zu sehen.
Wir kaufen mit der Familie aus Deutschland zwei erstaunlich günstige Sektflaschen und für jeden ein Tütchen mit jeweils zwölf Trauben. Kurz vor Mitternacht pilgern alle zum nahegelegenen Strand und warten. Plötzlich werden zwölf einzelne Silvesterraketen hintereinanderweg abgeschossen- bei der dritten merke ich, dass ich schon drei Trauben hätte essen können. Ich schaffe alle zwölf mit einiger Verspätung, es wird angestoßen, ein bescheidenes Feuerwerk folgt und ich finde es gut, denn ich konnte diese Schwefelschwaden noch nie leiden. Ab und an knallt jemand mit einem Böller, aber die Party findet hauptsächlich tanzend statt. Wir bleiben bis drei Uhr, es ist noch lange kein Ende in Sicht und die Musikklänge wiederholen sich zum fünften Mal, was bei eigentlich unbekannten Liedern irgendwann ein wenig langweilig wird.
Wir lassen uns vom Taxi zum Hotel fahren, zu dem wir zu Fuß den Berg hoch diesmal sicher eine halbe Stunde gebraucht hätten und bewundern den Taxifahrer, der Halten am Hang perfekt beherrscht. Außerdem rast er mit geringsten Sicherheitsabstand die Piste hoch- wir zahlen noch nicht einmal vier Euro und wünschen ein feliz año nueve.
Am kommenden Tag ist die Stadt wieder perfekt sauber.
Unser erster gemeinsamer Urlaub hatte sehr schöne Rahmenbedingungen, war perfekt und ich bin begeistert von dem nördlichen Teil Teneriffas, möchte gern wiederkommen und den Teide besteigen, das Orotavatal besuchen, die Südküste sehen und mein Spanisch aufgefrischt zu Gesprächen mit den dort lebenden Menschen einsetzen.
Hasta luego, Teneriffa.